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Was biste, Kommunionsdesigner?
13.Nov 2018 • 13:17 Uhr

Was biste, Kommunionsdesigner?

Früher hieß unsere Berufsbezeichnung Grafiker, wir malten Schilder und Plakate noch von Hand. Die ganz Modernen arbeiteten in Werbeagenturen, hatten Hilfsmittel wie Staromat (Fotosatzgerät mit fünf Wörter in der Minute) und Letraset Rubbelbuchstaben. Damals roch es noch nach Farbe, der süßliche Duft der Eddings und Filzer machte uns regelmäßig „high“ – eine kreative Zeit! Nach der großen Grafiker-Ära war ich dann mit der Erste in Saarbrücken, der mit dem Titel Kommunikationsdesigner seinen Abschluss gemacht hat. Ich gehörte also auch zu den „Modernen“ und gründete dann, nur wenige Jahre später, mit Horst und Dominik eine eigene Werbeagentur. Auch hier gehörten wir zu den Ersten, die mit einem Mac arbeiteten, maximal DIN A3 „groß“, von uns liebevoll als Mickey Mouse-Kino tituliert.

Das waren die Anfänge, Wörter wie Marketing, Zielgruppe, Point of Sale und so weiter waren noch Begriffe, mit denen nur wenige etwas anfangen konnten (mein Schwiegervater fragte mich einmal: „Wie ist dein Beruf – Kommunionsdesigner? Kann man damit auch Geld verdienen und eine Familie ernähren?). Internet und Smartphone wurden sowieso erst später erfunden.

In den 30 Jahren meiner Selbstständigkeit ging es immer um die Kommunikation, im Saarland liebevoll mit „miteinander schwätze“ umschrieben. Im Fokus unserer Tätigkeit steht – damals wie heute – der Dialog: „Wie trete ich mit meinem Gegenüber optimal in Kontakt, damit sie oder er wirklich versteht, was ich sage und anschließend auch so handelt, wie ich es möchte?“ In der Beantwortung dieser Frage liegt die ganze Kunst, die – zugegebenermaßen – bei der täglichen Arbeit nicht immer einfach zu lösen ist.

Mittlerweile hat die Digitalität auch in unserer Branche Einzug gehalten, wir sind also noch moderner als früher. Unsere Firmenbezeichnung lautet inzwischen Marketing und Digitales Business, was wir 1990, im Jahr der Firmengründung, nie für möglich gehalten hätten: „Wie bitte, hä? Was machen wir in 30 Jahren?“ Wie in der Evolution vorgesehen, überlebt auch in der Marketingbranche nur derjenige, der sich neuen Gegebenheiten am besten und schnellsten anpassen kann – und so geht auch bei uns ohne digitale Technik nichts mehr. Das sage ich vor allem auch mit einem lachenden Auge: Die Zeiten ändern sich rasant, die Grundeinstellung oder Werte zu unserer Arbeit sind allerdings trotz aller Modernität die Gleichen geblieben. Dabei sind mir zwei Dinge besonders wichtig:

Aller Anfang ist analog

Was nutzt einem das beste Briefing in elektronischer Form oder die ausgeklügeltste Software, wenn man die Inhalte nicht richtig versteht (… und zwischen den Zeilen lesen führt mitunter in die Irre). Am Anfang sollte der direkte Dialog stehen, persönlich, Face to Face, mit einfachen Fragen und einfachen Antworten, kritischen Anmerkungen und klärenden Informationen. Auf einen gemeinsamen Nenner kommen, heißt für mich: zuhören und verstehen – erst danach sollten wir mit dem Gestalten beginnen. Das merkt man dem kreativen Output dann auch an.

Nicht mehr nur die gute Idee entscheidet über Sieg oder Niederlage

Am Anfang ist die Idee, ein Wort, ein Bild, ein Augenblick. Sie muss wirklich gut sein, sehr gut sogar, damit Sie in der heutigen Reizüberflutung nicht untergeht. Am besten ist sie einfach, einprägsam und „hat Eier“, richtet sich nicht nach dem Mainstream – muss „gegen den Strich“ sein. Zu meinen Anfängen gab es Print, Radio, Fernsehen – fertig. Doch die heutigen Ansprüche an eine gute Idee sind immens gewachsen, weil die Welt sich vernetzt hat. Sie muss in tausenden Medien bestehen, ist Fluch und Segen zugleich und zudem sehr spannend, da man von der Kraft der Eigendynamik immer wieder überrascht wird.

Zum guten Schluss: Sollte unsere Branche in Zukunft noch moderner werden und eine Maschine à la Künstliche Intelligenz 😉 in der Lage sein, gute Ideen eigenständig zu entwickeln, ist es für mich an der Zeit, meinen Designer-Beruf an den Nagel zu hängen. Denn das hätte dann nichts mehr mit meiner Berufung zu tun, die ich einmal hatte (… und immer noch habe). Vielmehr werde ich mich dann mit analogen, vielleicht auch altmodischen Dingen beschäftigen. Und meine alten Filzer aus der Schublade kramen – Nachfüllpatronen gibt es übrigens immer noch im Handel („high“ werde ich dadurch nicht mehr, weil sie längst auf Wasserbasis hergestellt werden ;-).

13. November 2018
Kategorie:
Martin Oberhauser
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